Mittwoch, 7. Dezember 2011

Der faule Zahn

Allein am heutigen Morgen sind mir ein halbes Dutzend Meldungen auf den Tisch geflattert, die von Not und Elend von Mensch, Tier und Natur berichten und alle haben die gleiche Ursache: Menschlichkeit, Mitgefühl und Hilfe scheitern an der Frage des Geldes und Grausamkeit, Gefühlskälte und Raubbau versprechen Profit.
Ob es um das unsägliche Abschlachten von Hunden in der Ukraine handelt oder um Tausende von Pferden, die in Irland einfach ausgesetzt werden, weil ihre Besitzer sie sich nicht mehr leisten können, seien es Hühner und Schweine-KZs hier in unserem Land (und anderswo), ob es sich darum handelt, unseren Kindern einen Lebensraum zu hinterlassen, den wir nicht bereichert, sondern vielmehr geplündert haben, es ist überall das gleiche.



Die Natur des Menschen

Manch einer glaubt, Mensch sei von Natur aus schlecht, aber das stimmt nicht.

Die Natur des Menschen ist etwas Wundervolles, sonst würden es nicht so viele schaffen, sich ihre Menschlichkeit und ihr Verantwortungsgefühl zu erhalten. Aber die Macht der seelenlosen Konzerne, in denen der Mensch nur Austauschware ist, steigt mit ihrer Größe. Und da gelten die Regeln der Berechnung, wer nicht funktioniert, wird entsorgt und was nicht Profit einbringt, ist auch nicht von Interesse. In dieser Welt wird nur geschützt und gesäubert, was sie unbedingt müssen - und selbst da ist vielen die 'Strafe' für Umweltsünden billiger als ein verantwortliches Vorgehen. Ein Konzern hat keine Kinder und die Wirtschaft frisst ihre Kinder.


Gerechtigkeit

Manche fürchten um die Gerechtigkeit der Verteilung. 
Ich frage euch: Was soll gerechter daran sein, wenn der etwas bekommt, der es bezahlen kann als wenn der etwas bekommt, der etwas braucht? 
Das Bezahl-System ist nicht gerecht, sonst würde nicht alle 5-6 Minuten ein Kind unter 10 Jahren verhungern, während hier, ein paar Flugstunden entfernt, die Öfen mit altem Brot gefeuert und die Lebensmittel tonnenweise verrotten.
Und Nordseekrabben nach Marokko zu schiffen, damit sie dort von Frauen zu Hungerslöhnen gepuhlt werden, funktioniert ja sehr gut. Weil daran spart eine Firma noch. Mit Gerechtigkeit hat das nun wirklich nichts zu tun. Aber so funktioniert dieses System - Menschlichkeit ist auf Spenden angewiesen.

Neue Gesetze?

Viele rufen nach härteren Gesetzen und Strafen, aber es reicht nicht, immer neue Gesetze zu erschaffen, es reicht nicht, an diesem System herumzuwerkeln, es geht auch nicht darum, es auszutauschen, es geht darum, dass wir es einfach nicht mehr brauchen. Es ist Unsinn, es ist schlicht und ergreifend überflüssiger Krempel, den die Menschheit einfach nicht mehr braucht. 

Das System mag ja seine Berechtigung gehabt haben, als die 'Erträge' noch begrenzter waren, aber doch heute nicht mehr. Nein - wirklich nicht. Unser Heimatplanet kann alle seine Bewohner versorgen (noch) und wenn man genau hinsieht, dann merkt man schnell, dass die Beschaffung sowie die Verteilung der Erträge einzig eine logistische Herausforderung sind. Es braucht kein Begrenzungsmedium mehr, wenn ein Mensch etwas braucht, kann sein Bedarf gedeckt werden.

Staatenpleiten

Wenn ich diese Diskussionen über Griechenland & Co. höre, fass ich mir an den Kopf - es ist doch alles da, es gibt keinen Grund, es den Bedürftigen vorzuenthalten.

Es gibt keinen Grund für Armut und Hunger, es gibt keinen Grund für alles Elend - außer den Gesetzen der Wirtschaft bzw. der Überzeugung, dass das so sein muss, dass es diese Regulierung braucht. Wir sind so darauf geprägt, dass wir es uns nicht vorstellen können, dass es auch ohne funktionieren könnte. Aber das kann man lernen. Es ist nicht leicht, aber wenn man sich damit beschäftigt, erscheint es einem immer logischer.
Unser Geldsystem ist wie ein Rollstuhl, in dem die Menschheit sitzt, obwohl sie ihn einfach nicht mehr braucht. Solange wir nach den Regeln leben, die Raubbau belohnen und Menschlichkeit  'kostet', müssen wir uns nicht wundern, wenn die Zerstörung schneller voranschreitet als jeder Wiederaufbau.

 
Ein neuer Weg
 
Wir müssen unsere Vorstellungskraft dafür öffnen, wenn wir diese Entwicklung aufhalten wollen. Alles andere ist einfach unlogisch, wer glaubt denn wirklich, dass wir das in den Griff kriegen? Wer glaubt denn wirklich, dass Aufrufe von Kindern, Menschenrechtlern, Umweltschützern reichen?
Wenn DAS funktionieren würde, dann müsste man ja langsam was merken. 

Es tut sich vieles, aber es reicht nicht mal aus, um die Geschwindigkeit der Zerstörung abzubremsen. Weil die Technik immer effektiver wird. Aber nicht die Technik ist das Problem, sondern der Anreiz des Profitmachens. Das wird keiner aufhalten - keine Regierung dieser Welt. Und seien wir mal ehrlich - im Grunde muss ich euch das nicht erzählen, im Grunde weiß das jeder von euch selbst.

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Sonntag, 4. Dezember 2011

2. Advent 2011, 19 Jahre danach

Nach dem Video der 12-jährigen Severn (im vorherigen Beitrag) habe ich ein bisschen Zeit gebraucht, um die Eindrücke sacken zu lassen. Was sie da sagt, entspricht in so vielem dem, was ich empfinde und auch immer wieder sage: Dass wir unseren Kindern den Lebensraum zerstören, dass es unsere Verantwortung, unsere Aufgabe ist.
Und dass 19 Jahre nach diesem Video die Welt der großen Konzerne noch härter geworden ist und die Zerstörung noch schneller geschieht, sagt mir, dass den Staatsoberhäuptern in fast 20 Jahren nicht wirklich viel eingefallen ist. Und es sieht auch nicht so aus, als würde sich da viel bewegen - auf jeden Fall geschieht es zu langsam.

Eine denkwürdige Vorstellung 

Wenn ich mir vorstelle, dass die Menschheit schon vor 300 Jahren auf dem technischen Stand von heute gewesen wäre - wie würde UNSERE Welt dann heute aussehen? Wenn wir schon vor 300 Jahren begonnen hätten, unsere Umwelt mit Atommüll zu spicken, wenn wir schon vor 200 Jahren die letzten Ölreserven aufgebraucht hätten, 

wenn unser ökologischer Fußabdruck schon vor 300 Jahren schon so überdimensional gewesen wäre, wenn schon vor 300 Jahren der Klimawandel eingesetzt hätte, wenn... wenn... wenn... - wir vor 300 Jahren schon so weit gewesen wären wie wir es heute sind...?


Wenn ich mir vorstelle, wie es heute wohl wäre, wenn schon vor 300 Jahren die Meere überfischt und die Ozonschicht schon so angegriffen gewesen wäre, wenn schon damals die Bevölkerung die 7 Milliarden-Grenze überschritten hätte, wenn schon damals die Meeresspiegel zu steigen und die Gletscher sowie das Eis an den Polen zu schmelzen begonnen hätte - und wenn schon damals die Müllberge um ein Vielfaches schneller gewachsen wären als sich die Umwelt hätte erholen können - wenn ich mir das wirklich vorzustellen versuche, dann wird mir schlecht.
Wenn die Menschen schon vor 300 Jahren so weit gewesen wären wie wir es heute sind, würde es uns möglicherweise ziemlich besch...eiden gehen. Diese Vorstellung macht mir Angst und ich bekomme eine Ahnung von dem, was die Menschen - unsere eigenen Nachkommen - über uns schreiben werden: Dass unsere Generation(en) die größten Verbrecher der ganzen Menschheit waren. Und damit haben sie recht.

Was wird später in den Geschichtsbüchern über uns stehen? 

Was unsere Nachkommen uns vorwerfen werden, ist ein Vielfaches von dem, was wir  unseren Vorfahren während des Hitler-Regimes vorwerfen. Weil das, was wir auslösen, noch ein Vielfaches schrecklicher ist als das, was unsere Vorfahren vor 70 Jahren ausgelöst haben.
Weil sie zu lange zugekuckt haben.
Und weil sie zu lange mitgemacht haben, bis es zu spät war.
Wie wir zukucken und weiter mitmachen, bis es (möglicherweise) zu spät ist.
Bis es für unsere Kinder zu spät ist. 

Wenn sich von unseren Generationen jemand erdreistet, über unsere Vorfahren die Nase zu rümpfen, kann nur daran liegen, dass ihm nicht bewusst ist, dass wir im Gange sind, ein unendlich größeres Verbrechen an der Menschheit zu begehen.
Wenn wir weiterhin schweigen, hinnehmen, stillhalten und mitmachen.

Hoffnung

Ich verstehe nur zu gut, wie es ist, sich ausgeliefert zu fühlen, nicht zu wissen, was man tun kann, nicht zu sehen, wo da ein Weg ist. Und es muss einen Weg geben, einen grundlegenden Wandel einzuleiten. Und natürlich gibt es auch einen.
Und darum gibt es diesen Blog. 

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Samstag, 3. Dezember 2011

Das Mädchen, das die Welt für 5 Minuten zum Schweigen brachte


Ich bin gerade eben auf folgendes Video gestoßen und noch zu aufgewühlt, um viel dazu zu sagen. Hut ab vor diesem Mädchen, es hat mehr Herz und Mut als alle Regenten, Wirtschaftsmultis, Medienmogule und überhaupt die meisten Menschen, die ich kenne.

Hier findet ihr die deutsche Übersetzung ihrer Rede:
http://kurzum.blogspot.com/2009/07/severn-suzuki-ein-grund-zur-zuversicht.html

Das ist jetzt 18 Jahre her, aber es hat nichts an Aktualität verloren